Niere & Ernährung
Wie kann ich meine Niere schützen?
ange wurde den Nieren im Zusammenhang mit HIV und AIDS nur wenig Aufmerksamkeit gewidmet. Dies hat sich jedoch geändert. Die Nieren gehören zu den stoffwechelaktivsten Organen im Körper und werden intensiv durchblutet. Dadurch sind sie sowohl dem Virus als auch einer Dauermedikation in besonderem Maße ausgesetzt. Der Virus selbst und auch bestimmte HIV-Medikamente können die Niere schädigen. Deshalb sollten HIV-Positive ihre Nieren in besonderem Maße schützen.
Aufgaben
der Nieren
Die Aufgabe der Nieren besteht vor allem darin, das
Volumen der Körperflüssigkeit (insbesondere des Blutplasmas) und die
Konzentration der darin enthaltenen Substanzen (z. B. Elektrolyte wie Kalium,
Natrium) konstant zu halten.
Um dies zu gewährleisten, ist eine gute Durchblutung der Nieren erforderlich.
Aus dem Blutplasma werden in den Nierenkörperchen (Glomeruli) pro Tag etwa 180
Liter des sogenannten Primärharns abfiltriert. Dieser besteht neben Wasser aus
sämtlichen im Blut gelösten Substanzen (außer Eiweißen). Alle Stoffe, die im
Überschuss vorliegen, werden mit dem Urin (Endharn) ausgeschieden (ca. 1-1,5 Liter),
während der größte Teil dem Körper gereinigt zurückgeführt wird.
Überdies sind die Nieren das „Klärwerk“ unseres Körpers. Sowohl körperfremde
(Giftstoffe, Medikamentenreste) als auch körpereigene Substanzen
(Stoffwechselendprodukte wie z. B. Kreatinin, Harnstoff, Harnsäure) werden mit
Hilfe der Nieren über den Urin ausgeschieden. Würden sie im Körper verbleiben,
käme es zu Vergiftungserscheinungen, wie Übelkeit und Erbrechen.
Darüber hinaus sorgen die Nieren für ein Säure-Base-Gleichgewicht im Körper.
Denn der menschliche Organismus ist auf einen konstanten Säuregrad (pH-Wert)
des Blutes angewiesen (pH=7,4). Im Körper auftretende Säuren (z.B. Milchsäure,
Ketonkörper) werden mit Hilfe der Nieren entfernt. Hierfür werden
Wasserstoffionen an Ammoniak und Phosphat gebunden und mit dem Urin
ausgeschieden.
Die Niere ist weiterhin für die sehr komplexe Regulation des Blutdrucks
zuständig.
Nierenerkrankungen bei HIV
Da die Niere stark durchblutet wird, kommt sie auch in besonderem Maße mit dem HI-Virus in Kontakt. Der HI-Virus kann die Niere direkt angreifen und zu Veränderungen führen. Dadurch kann zum Beispiel eine Entzündung der Niere entstehen, die zu Einschränkungen bis hin zum völligen Verlust der Nierenfunktion führen kann. Das Filtersystem der Niere wird undicht und Eiweiß sowie rote Blutkörperchen treten aus der Niere in den Urin über. Zeichen einer Nieren(funktions)störung oder –entzündung können Bluthochdruck, geschwollene Beine, aufgedunsenes Gesicht, Wassereinlagerungen im Körper, Übelkeit, Brechreiz, Müdigkeit und schäumender Urin sein. Viele dieser Symptome sind auch unter einer HIV-Therapie möglich und bedeuten nicht zwangsläufig eine Nierenfunktionsstörung. In jedem Fall sollte der Arzt auf solche Symptome hingewiesen werden.
Eine weitere Komplikation können Nierensteine sein. Dabei kann es sich um reine Harnsäuresteine handeln. Sie entstehen, wenn der pH-Wert des Harns erniedrigt und die Ausscheidung von Harnsäure erhöht ist. Bestimmte HIV-Medikamente können die Bildung von Nierensteinen fördern. Dazu gehören unter anderem Viracept® (Nelfinavir), Norvir® (Ritonavir), Videx® (Didanosin), und Foscarvir® (Foscarnet). Nierensteine können sich in einer Nierenkolik äußern, die sich durch einen stechenden Schmerz in der Nierengegend bemerkbar macht. Weitere Anzeichen sind Übelkeit, Erbrechen und motorische Unruhe. Auch unter Crixivan® (Indinavir) können sich Steine bilden. In aller Regel handelt es sich nicht um komplette Nierensteine, sondern um die Ausscheidung von Crixivankristallen im Urin, die nicht in jedem Fall schädlich sein müssen. Symptome können Rückenschmerzen, Schmerzen beim Wasserlassen oder heftigere Nierenkoliken sein. Außerdem muss langfristig befürchtet werden, dass auch der Rücktransport aus dem Primärharn unter HIV-Medikamenten (aus der Wirkstoffklasse der Nukleosidische Reverse-Transkriptase-Inhibitoren NRTI) geschädigt werden kann. Übersteigen die im Primärharn abfiltrierten Stoffe (z. B. Zucker, Eiweiß, Phosphat) die Transportkapazität der geschädigten Nieren werden diese mit dem Urin ausgeschieden.
Wie kann ich meine Nieren schützen?
Da die Nieren die am stärksten durchbluteten Organe
des menschlichen Körpers sind, werden sie durch alle Faktoren besonders
gefährdet, die bei einer Gefäßverkalkung eine Rolle spielen. Dazu gehören unter
anderem Rauchen, Übergewicht, Bluthochdruck, Bewegungsmangel, Blutfetterhöhung
und Diabetes. Die genannten Faktoren können durch den Lebensstil maßgeblich
beeinflusst werden. So können eine ausgewogene Ernährung und körperliche
Aktivität Übergewicht, Bluthochdruck, Blutfetterhöhung und Diabetes positiv
beeinflussen. Außerdem sollten Sie auf eine ausreichende Flüssigkeitszufuhr
achten. Denn die Flüssigkeitszufuhr ist wichtig, um das richtige Verhältnis von
Urinflüssigkeit und den darin gelösten Abfallstoffen zu erhalten; so können
sich zum Beispiel keine Salzkristallkörnchen, die Vorläufer der Nierensteine,
ablagern. Für eine richtige Flüssigkeitszufuhr gilt:
- Trinken Sie gleichmäßig über den Tag verteilt mindestens 1,5 bis 2 Liter Flüssigkeit, bei hohen Temperaturen körperlichen Anstrengungen oder Durchfall entsprechend mehr.
- Bringen Sie Abwechslung in die tägliche Auswahl an alkoholfreien Getränken. Empfehlenswert sind Wasser sowie Früchte- und Kräutertees, aber auch verdünnte Fruchtsäfte.
- Getränke sollten ein fester Bestandteil jeder Mahlzeit sein.
- Ein Getränk in Reichweite erinnert ans Trinken. Auf diese Weise wird häufiger zugegriffen.
- Schränken Sie den Genuss alkoholischer Getränke ein. Männer sollten täglich nicht mehr als 20 g Alkohol aufnehmen, das entspricht 0,5 Liter Bier, 0,25 Liter Wein oder 0,06 Liter Weinbrand. Frauen sollten nur die Hälfte (10 g Alkohol pro Tag) aufnehmen.
Außerdem
ist eine salzbewusste Kost gesünder für Ihre Nieren und Ihren Blutdruck:![]()
- Salzen Sie sparsam!
- Würzen Sie stattdessen mit frischen und tiefgekühlten Kräutern.
- Ziehen Sie frische oder tiefgekühlte Lebensmittel Konservenware vor.
Ernährung bei Nierenerkrankungen
Die richtige Ernährungsweise bei einer Nierenerkrankung
hängt stark davon, welche Krankheit vorliegt und wie stark die Nierenfunktion
beeinträchtigt ist. Sind die Nieren durch eine Erkrankung so geschädigt, dass
sie nicht mehr in der Lage sind, die bei normaler Ernährung anfallenden
Stoffwechselendprodukte vollständig auszuscheiden, so spricht man von Nierenversagen oder Niereninsuffizienz. Liegt eine Niereninsuffizienz vor ist eine der Schwere der Erkrankung
angepasste eiweißarme Ernährung die Grundlage der Behandlung. Den Grad der
Niereninsuffizienz und damit die Höhe der Eiweißzufuhr bestimmt der Arzt.
Bei bestehendem Bluthochdruck bzw. bei Wassereinlagerungen ist eine Einschränkung
der Natrium- bzw. Kochsalzaufnahme notwendig. Bei erhöhten Kaliumwerten des
Blutes muss auf eine kaliumarme Ernährung geachtet werden.
Liegt eine Nierenerkrankung vor, die eine bestimmte Ernährungsweise oder Diät
erforderlich macht, sollte in jedem Fall eine anerkannte und produktunabhängige
Ernährungsberatungsfachkraft zu Rate gezogen werden. Sprechen Sie
gegebenenfalls Ihren Arzt darauf an, ob in Ihrem Fall eine bestimmte Ernährungsweise
notwendig ist.
Ernährung bei
Nierensteinen
Es
gibt ernährungsbedingte Faktoren, die die Entstehung von Harnsäuresteinen
begünstigen können. Harnkristalle können sich nur dann bilden, wenn entweder
steinbildende Substanzen in hoher Menge ausgeschieden werden, oder wenn der
Harn nicht ausreichend verdünnt ist. Deshalb ist die wichtigste
Therapiemaßnahme eine Erhöhung der täglichen Flüssigkeitsaufnahme und damit
auch der erhöhten Harnausscheidung. Dadurch kann einer (erneuten) Bildung der
Harnsteine am besten vorgebeugt werden. Um die Entstehung von Harnsäuresteinen
zu vermeiden, sollten Sie täglich 2,5 - 3 Liter trinken. Diese Empfehlung gilt
natürlich nur bei funktionstüchtigen Nieren, da es bei reduzierter
Nierenfunktion zu Überwässerung kommen kann. Besonders gut geeignet sind
bicarbonatreiche, aber insgesamt mineralstoffarme Mineralwässer (HCO3 > 500
mg/l), verdünnte Zitrussäfte aber auch Nieren-, Blasen- oder Früchtetees.
Da Alkohol die Entstehung von Nierensteinen fördert, sollten alkoholische Getränke jeder Art (auch Bier) möglichst gemieden werden.
Außerdem begünstigt ein erhöhter Verzehr von
Nahrungsmitteln, die reich an tierischem Eiweiß sind (z. B. Fleisch, Wurst) die
Steinbildung, da sie zu einer Senkung des Säuregehaltes des Harns führt. Essen
Sie daher nicht mehr als maximal 150 g Wurst und Fleisch am Tag.
Darüber hinaus spielen Purine bei der Bildung von Harnsäuresteinen eine
wichtige Rolle. Purine werden mit der Nahrung aufgenommen, im Körper zu
Harnsäure verstoffwechselt und als solche über die Niere ausgeschieden. Reduzieren
Sie daher den Verzehr purinreicher Lebensmittel. Hohe Puringehalte haben
insbesondere die Haut von Geflügel und Fisch sowie Innereien, aber auch
Hülsenfrüchte. Außerdem sollte der Genuss fruchtzuckerhaltiger Getränke (z. B.
Fruchtsäfte) eingeschränkt werden, da der Abbau von Fruchtzucker ebenso zur
vermehrten Bildung von Harnsäure beiträgt.
Bei akuten Beschwerden unter Crixivan® sollten Sie 2-3 Liter pro Tag trinken. Bevorzugen Sie dabei Getränke, die den Urin
ansäuern, z. B. Buttermilch oder Trinkjoghurt. © Christof Meinhold / GEM e.V
Die Ernährungskolumne ist ein Service in Zusammenarbeit mit www.garten-der-lueste.com
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